Jordanvirus Tomato Brown Rugose Fruit Virus (ToBRFV)
Das Wichtigste zum Virus in Kurzfassung
Dieses aus israelischen Monokulturen stammende Virus trat 2014 auf und verbreitete sich dann nach und nach im Rest der Welt. 2018 erreichte das Virus erstmalig den europäischen Erwerbsanbau.
Unter den Solanaceen werden u.a. Tomaten, Chili und Paprika befallen.
Das Virus ist sehr ansteckend und widerstandsfähig.
Eine genaue Beschreibung gibt es hier: https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/pflanzenschutz/gemuesebau/tobrfv.htm
Das Virus kann hohe wirtschaftliche Schäden verursachen und ist in Deutschland als Quarantäneerreger eingestuft.
Für die menschliche Gesundheit ist es kein Problem.
Das Virus ist meldepflichtig. Befallene Pflanzen müssen
vernichtet werden. Am 01.11.2019 ist der neue
EU-Durchführungsbeschluss gegen ToBRFV (Nummer 2019/1615/EU) in
Kraft getreten.
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32019D1615&from=EN
Was musst Du im Privatgarten beachten?
Kein Saatgut und keine Jungpflanzen aus dem aussereuropäischem Urlaub mitbringen. Keine Tomaten im Internet aus "Nicht EU" Staaten kaufen! Eigentlich schon immer selbstverständlich und natürlich auch schon immer verboten.
Nur Saatgutbeutel mit einem Pflanzenpass kaufen. Im Onlinehandel seit 2019 Pflicht. Erkennen lässt sich das Virus leider nicht zweifelsfrei, es ist nur durch eine Laborprüfung nachzuweisen.
Was haben wir bisher unternommen um das Virus zu vermeiden?
Seit Inkrafttreten der gesetzlichen Vorschriften haben wir diese auch befolgt. Zu den Aufgaben gehören regelmäßige Kontrollen der eigenen Pflanzen auf Schadorganismen und auch die Kontrolle von zugekaufter Handelsware sowie Dokumentation. Zudem erfolgt bei uns auch eine regelmäßige Schulung der Mitarbeiter und ein entsprechender Aushang direkt bei den Kulturen.
Was werden wir in Zukunft unternehmen um das Virus sicher auszuschließen?
2023 und 2024 wurden Tomaten- und Paprikaerzeuger in Schleswig-Holstein geprüft. Von jedem Betrieb wurden 400 Proben genommen und im Labor auf das Jordanvirus untersucht. Da wir nur ein kleiner Betrieb sind, war das für uns natürlich eine umfassende Prüfung. Daher können wir mit Sicherheit sagen: Unsere Gärtnerei ist frei vom Jordanvirus.
Um diesen Status zu erhalten werden wir ab 2023 ausschliesslich Tomaten und Paprika aus eigener Erzeugung anbauen.
Zudem werden wir keine Betriebsführungen mehr anbieten.
Gibt es noch mehr zu dem Thema?
Die Frage ist eigentlich nicht wie wir es vermeiden sollen, sondern wie wir damit in Zukunft leben können. Es wird sich natürlich auch in Europa verbreiten. Das weitere Vorgehen wird ebenfalls in der EU diskutiert, schliesslich ist für die on-farm-Erhaltung der Vielfalt nicht nur für die Vermehrung, sondern auch die Weitergabe von Saatgut und Jungpflanzen unverzichtbar.
Große Monokulturen sind wesentlich anfälliger, hier kommt es sehr schnell zu erheblichen Verlusten.
Je vielfältiger der Anbau, desto geringer die Verluste.
Die Saatgutindustrie
hat bereits viele resistente Tomatensorten, die Einstufung als Quarantäneerreger ist unserer Meinung nach überflüssig und kostet dem Steuerzahler unnötig Gelder die weitaus sinnvoller eingesetzt werden könnten.
Gehen wir einmal in die Botanik
F1-Hybridsorten stammen nicht aus Populationen, sondern sind das Ergebnis einer spezifischen „Kreuzung“ zwischen zwei genetisch homogenen „Elternlinien“. Die Elternlinien haben untereinander oft wenig Ähnlichkeit und sind aufgrund der hohen Inzucht oft sehr schwach. Der Nachwuchs (der F1) hat auch wenig Ähnlichkeit mit den Eltern. Da sie das Ergebnis einer Kreuzung zweier genetisch homogener Elternlinien sind, sind die Individuen innerhalb der Sorte genetisch nahezu identisch, weshalb sie im industriellen Gartenbau allgegenwärtig verwendet werden. Sie wachsen mit ähnlichen Geschwindigkeiten und sind fast genau zur gleichen Zeit erntereif.
F1-Hybridsorten sind
jedoch genetisch fragil. Da sie identisch sind, gibt es zwischen
Individuen keine unterschiedliche genetische Resistenz gegen
Schädlings- und/oder Krankheitsdruck wie bei samenfesten Sorten.
Aktuelle Hybridsorten werden so gezüchtet, dass sie Resistenzen
gegen bestimmte Krankheitsstämme aufweisen. Dies wird als „vertikale
Resistenz“ bezeichnet. Diese Resistenzen sind sehr solide, da sie
genetisch fixiert sind. Wenn sich also eine neue Krankheit
entwickelt, wie das Jordanvirus, bricht diese Resistenz zusammen und
die gesamte Kultur ist anfällig für den neuen Krankheitsstamm und
kann ausgerottet werden. Also gehen die Züchter zurück ins Labor
und züchten ein neues Resistenzgen gegen den neuen Krankheitsstamm,
und so geht das Wettrüsten weiter.
F1-Hybridsorten können
sich nicht an veränderte klimatische Bedingungen anpassen, was in
der heutigen Zeit als eine sehr wichtige Eigenschaft erscheint.
Samenfeste Sorten hingegen haben eine umfangreiche und widerstandsfähige genetische Basis. Sie zeichnen sich durch horizontale Resistenzen aus. Jede Generation ähnelt der vorherigen. Die Evolution und Anpassung innerhalb dieser Population erfolgt im Laufe der Zeit als Reaktion auf Umweltbelastungen und -veränderungen. Dieser Druck kann auf menschliches Eingreifen oder auf Naturphänomene zurückzuführen sein. Bei samenfesten Nutzpflanzensorten ist ihr genetischer Aufbau sehr formbar und ihre spezifischen Merkmale können je nach den Bedürfnissen des Gärtners in verschiedene Richtungen verschoben und gezogen werden. Und das kann jeder in seinem Garten tun. Da Tomaten Selbstbestäuber sind liegt der Schwerpunkt hier auf Selektion.
Innerhalb einer
genetisch vielfältigen Population wird es immer unterschiedliche
Grade der Krankheitsresistenz geben, und die resistentesten Pflanzen
können ausgewählt werden, um Saatgut aufzubewahren, um diese
Resistenz in der nächsten Generation zu erhöhen.
Moderne Pflanzenzucht ist samenfest! Wir sind davon überzeugt, dass die Zukunft den samenfesten Sorten gehört und wir nur mit einer großen Vielfalt die Herausforderungen im Gemüseanbau langfristig bewältigen können.